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Silvia Wagner - von uns gegangen

 

22.5.1952 - 1.3.2025

Liebe Leser,

am 13.5.2025 beerdigten wir Silvia Wagner auf dem Friedhof von Allendorf-Lumbda. Sie war am 1.3.2025 in Frieden gestorben. Als Großcousine meines Vaters gehörte sie seit Jahrzehnten zu meinem Leben. Denn zwischen ihr und meinen Eltern gab es ein sehr enges Verhältnis, das sich in vielen Briefen, Telefonaten und Geschenken ausdrückte. Meine Eltern besuchten sie hin und wieder in ihrem Elternhaus. Ich selber lernte sie nie persönlich kennen, sondern erfuhr von ihr immer nur durch Erzählungen meiner Eltern oder Vorlesen aus ihren Briefen. Sie beeindruckte dadurch, dass sie ab den frühen Teenagerjahren unter einem Morbus Crohn, einer chronischen Dünndarmentzündung, litt. Sie konnte Nahrung nur durch eine Nasensonde zu sich nehmen. Ihr größter Wunsch zuletzt sei gewesen, noch einmal herzhaft in einen Apfel beißen zu können. Im Laufe der Jahre musste schrittweise ihr Dünndarm verkleinert werden. Zusätzlich kamen später chronische Schmerzen hinzu. Sie verbrachte zwangsläufig mitunter jeweils Monate in der Uniklinik Gießen. Ihr Leben hing manchmal am seidenen Faden. Bei allem Leid fand sie ihren Halt einerseits in der engen  Beziehung zu ihren Eltern, ihren Brüdern und deren Familien und andererseits in ihrem Glauben an Jesus Christus. Sie wurde eine fröhliche Frau, die in ihrem Umfeld soziale Kontakte (Verwandte, Bekannte, Kirchengemeinde, Schulkameraden) und kreative Handarbeitstechniken pflegte. Sie schrieb ca. 200 Gedichte zu vielen Anlässen und zum Ausdruck des jeweiligen, eigenen, inneren Erlebens. Sie verabschiedete sich von allen mit einem Abschiedsgedicht, das sie einen Monat vor ihrem Tode verfasste.  Mitte zwanzig war ihr ärztlicherseits prophezeit worden, dass sie höchstens 30 Jahr alt würde. Nun ist sie 72 Jahre alt geworden. In der Klinik hatte sie sich zur Expertin für die eigene Erkrankung entwickelt und war darin eine Gesprächspartnerin der Ärzte bei Entscheidungen über das weitere Vorgehen geworden. Wegen ihrer fröhlichen Art wurden manchmal gezielt andere Patienten zu ihr ins Zimmer gelegt, um diese seelisch aufzurichten. 

In diesem Gedenkblog tauchte sie bislang bereits an zwei Stellen auf: Im Abschnitt der Todesanzeigen zu den Angehörigen von Heinz ist ein handschriftlicher Dankesbrief an meine Eltern anlässlich deren Kondolenzbrief zum Tode ihres Vaters Georg Adam Wagner enthalten. Ferner wurde ein Nachrufgedicht von ihr zum Tode ihrer Mutter Marie Wagner geb. Hofmann wiedergegeben.  

Nun erfuhr ich kurz vor ihrer Beerdigung von ihrem Tod und fuhr hin. Die Kirche auf dem Friedhof war voll. Die äußere Gestaltung wie auch die Auswahl der Lieder hatte sie bestimmt. Besonders berührte mich eine Tonaufnahme, wie sie das bekannte und für sie bezeichnende Lied von Manfred Siebald
„Geh unter der Gnade, geh mit Gottes Segen, geh in seinem Frieden, was immer du tust!“ sang. Ich hörte damit erstmals ihre Stimme, eine Stimme mit Frische, Klarheit, seelischem Tiefgang und voller Lebensfreude. Das war ihre letzte Botschaft an alle Hinterbliebenen und die Teilnehmer der Beerdigung!    

Ich habe sie nun in die Liste der Todesanzeigen der Verwandten meiner Vaters aufgenommen. 

Wer sie kannte, wird sie nicht vergessen! Wer sie nicht kannte, lasse sich von ihr anstecken, das eigene Leben auch in schwierigen Zeiten voller Zuversicht zu gestalten!

In Dankbarkeit

Friedhelm


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