Liebe Leser,
zum heutigen 100. Geburtstag meiner Mutter hatte ich einen Traum:
Ohne Vorankündigung besuchte sie uns in unserm fast fertigen Holla Haus.
Sie wirkte rüstig wie auf ihren Wanderungen im Bergischen Land.
Sie schaute sich alles genau an und freute sich darüber, das letzte der Möbelstücke, die ihr Vater meinen Eltern zur Hochzeit gefertigt hatte, in meinem Arbeitszimmer sehen zu können. Das Schlüsselkästchen aus ihrer Diele hatte auch in unserer diese Funktion erhalten. Sonja hatte etliche der alten Deko-Teile oder Reisesouvenirs von ihr geschmackvoll integrieren können, wofür sie diese lobte. Auch Teile ihrer Wohnzimmerausstattung hatten einen Platz erhalten und trugen zur gemütlichen Atmosphäre bei.
Wie das ihre Art war, fragte sie nicht nur, sondern erzählte gleichzeitig lebhaft und anschaulich. Die Fachwerkbauweise unsers Hauses regte sie an, vom Leben und Frieren im Fachwerkhaus ihrer Eltern zu erzählen. Zu diesem Thema konnten wir aus manchen Bauphasen auch einige Erfahrungen beisteuern. Sie staunte, wie Sonja als Bauleiterin viele alte Baumaterialien im Innenausbau auf moderne Art wiederverwenden konnte.
Sie berichtete stolz, daß sie im Himmel sofort wie früher in der Mülheimer Gemeinde eine Stelle beim Empfang für die Neuankömmlinge gefunden habe. Nach ihr seien ja mittlerweile weitere alte Freunde, Bekannte und Verwandte eingetroffen. Das sei dann ein besonders großes Hallo gewesen!
Außerdem mache sie sich in der riesigen Bibliothek nützlich. Früher habe sie sich ja nur wünschen können, die verstorbenen oder zeitgenössischen Buchautoren im In- und Ausland persönlich kennenzulernen. Das sei jetzt ganz einfach! Denn die seien oft schon länger als sie im Himmel anwesend. Sogar den Liederdichter Paul Gerhardt, dessen Lieder sie teilweise auswendig singen konnte, habe sie getroffen!
Selbstverständlich habe sie Charles T. Studd, den Gründer des WEK aufgesucht. Sie sei nicht verwundert gewesen, David und Chrissie Batchelor in dessen Nähe angetroffen zu haben. Auch Hudson Taylor, den Gründer der China-Inland-Mission, habe sie endlich kennenlernen können. Sie laufe viel im Himmel herum und treffe ständig alte Freunde, Bekannte und Verwandte. Das sei ja eine große Zahl gewesen. Die wiederum würden sie mit andern Himmelsbewohnern bekannt machen. Auch zu den biblischen Gestalten, die quasi die Stars im Himmel seien, habe sie ein herzliches Verhältnis entwickeln können.
Als ihr jüngstes Urenkelkind, das als Frühchen nicht lange lebte, angekommen sei, habe sie das kleine Mädchen, wie es dessen Geschwister richtig vermutet hatten, sofort unter ihre Fittiche genommen. Es entwickele sich ganz prächtig.
An meiner Mauer an der Grundstücksgrenze, aus Basaltsteinen der ehemaligen Stallmauer ließ sie sich von mir die mehr als 25 Steingartenpflanzen (Hauswurze, Mauerpfeffer- und Fetthennenarten), die ursprünglich aus allen Gebirgen der nördlichen Halbkugel der Erde stammen, genau erklären.
Ihre flinke Zunge, für die sie, wie auch Ihr, liebe Leser, wisst, bekannt war, sei ja oft von Nutzen gewesen. Manchmal, leider zu oft, habe sie mit ihrer direkten Art den einen oder anderen verletzt oder bevormundet. Wo sie sich nicht zu Lebezeiten habe entschuldigen können, habe sie rückblickend erleichtert festgestellt, daß Gott auch auf ihren krummen Linien gerade geschrieben habe.
Sie verfolge das Geschehen auf der Welt mit großer Anteilnahme. Sie habe ja viele Freundschaften auf der ganzen Welt verteilt anfangs per Brief und später per Mail gepflegt und etliche Freunde auf den gemeinsamen Reisen dort besucht. Aber jetzt habe sie einen ganz anderen Überblick und sähe Zusammenhänge, die sie früher nicht geahnt hätte. Entsprechend sei sie gelassener geworden und rechne mit Gottes unbegrenztem Einfallsreichtum und den lebensförderlichen Kräften, die er jedem Menschen ins Herz gegeben habe und die mitunter unerwartet zu Tage träten. Sie bewundere seine Geduld, seinen Trost und – nicht zu vergessen! – seinen Humor. Im Himmel werde viel gelacht! Und diese Vielfalt an Musik, die man hören oder aktiv mitgestalten könne! Da komme kein irdisches Konservatorium mit! Paulus habe zurecht gesagt, daß es etwas zu sehen und zu hören geben werde, was kein Menschenherz zuvor gekannt hätte.
Insgesamt schaue sie dankbar auf ihr sehr langes, reichhaltiges und gesegnetes Leben zurück! Sie habe sich im Himmel schnell eingelebt und sei neugierig, was sich in ihrer neuen Heimat noch entwickeln werde!
Zum Schluß wünschte sie uns Gottes Segen für unsere Familie, Freunde und Bekannten – darin seid auch Ihr als Leser eingeschlossen! - und für das öffentliche Programm unsers Holla Hauses, das zum Anfang kommenden Jahres starten soll! (Einzelheiten siehe unsere Website www.hollahaus.com) Jeder erhielt noch einen Abschiedskuß! Dann war sie wieder weg!
So grüße Euch alle ganz herzlich!
Euer Friedhelm

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